Richard Teufer

Geb.: 28.03.1937

Kinder: 4 Töchter (1 verstorben), 2 Söhne, 11 Grosskinder, 1 Urgrosskind

Schulen: in Eich und in Sursee

Ausbildung: als Chauffeur, mein Traumberuf

Interview von Ruth von Matt mit Richard Teufer vom 18.02.2020

 

Richard, erzähl uns doch bitte von deinem Leben und wie das Hören und Nicht-Gut-Hören darin vorkommen.

Meine Frau ist vor cirka 2 Jahren gestorben, und 10 Tage danach starb meine älteste Tochter an Brustkrebs. Ja, das waren Schicksalsschläge, die mich noch immer beschäftigen. Aber, wie man so sagt: «Das Leben geht weiter, nicht wahr?»

 

Richard räuspert sich und beginnt dann zu erzählen:

Aufgewachsen bin ich in Eich in der Buchmatte auf einem Bauernhof. Wir waren 3 Jungs und ein Mädchen. Mein 2 ½-jähriger Bruder wurde von einem Pferd getroffen und starb. Die Schulen absolvierte ich in Eich und 2 Klassen in Sursee. Dann begann ich die landwirtschaftliche Schule und dachte, einmal auf dem Bauernhof zu arbeiten. Mein Bruder hat dann den Hof übernommen und ich durfte meinen Traumberuf lernen und wurde Chauffeur. Viele Jahre arbeitete ich bei der Sustra im Strassenbau. Dann wechselte ich zum Verkaufsfahrer im Aussendienst einer Grossmetzgerei. Dort blieb ich bis zur Pensionierung. Danach fuhr ich noch 10 Jahre Taxi und bin heute noch Privatchauffeur für 2 Familien in der Umgebung. Fahren ist so etwas wie eine Leidenschaft von mir.

 

Was faszinierte dich an diesem Beruf?

Ganz klar die Technik. Ich war dabei auch immer unterwegs und habe dadurch interessante Bekanntschaften gemacht. Während meiner gesamten Fahrkarriere kamen ungefähr 3 Millionen Kilometer zusammen. 

 

Was hat dich neben dem Beruf interessiert?

Ich war oft auf dem See mit meinem Segelboot. Mit den Jahren gab ich das auf. Allein wurde mir das zu viel. Jetzt habe ich noch ein Ruderboot. Den Aussenmotor benutze ich nur, wenn Wind aufkommt. Gerne wandere ich mit meiner jüngsten Tochter und fahre auch Velo. Ich bin ein Bewegungsmensch und habe aber ebenso gern meine Ruhe auf dem See, meinem Rückzugsort. 

 

Wann hast du bemerkt, dass sich dein Hörvermögen verändert hat?

Ohne Hörgeräte kann ich noch recht gut hören. Ausser in der Kirche und wenn viele Leute miteinander sprechen, dann wird es schwierig für mich. Da verstehe ich nichts mehr. Vor cirka 3 Jahren haben meine Enkelkinder zu mir gesagt: »Jetzt musst du dir ein Hörgerät kaufen, Paps».

So habe ich das getan und bin sehr zufrieden damit. 

 

Was hörst du nun besser?

Ich höre die Vögel wieder zwitschern. Den Fernseher habe ich immer über Kopfhörer geschaltet. Ich will meine Nachbarn nicht stören. 

 

Wie kam es dazu, dass du zum Verein pro audito sursee gefunden hast?

Ich fuhr meine Nachbarin, Josy Faden, zu verschiedenen Anlässen des Vereins pro audito sursee. Dabei erlebte ich, dass dieser Verein viel unternimmt und ich begann die Gesellschaft dort zu schätzen. Der Ausflug in Menznau bei der Seidenraupenzucht war beispielsweise äusserst interessant.

Vor einem Monat fuhr ich Josy zum Jassen nach Sursee. Wir holen dann jeweils auch Kronenberger Elsa dazu. Sie öffnete jedoch die Tür nicht und reagierte nicht auf unser Schellen. Sofort dachten wir, dass da etwas nicht stimmen konnte. Es folgten etliche Telefone, bis wir schliesslich herausfanden, wer einen Schlüssel zur Wohnung hat. Die Angehörigen von Elsa waren in den Ferien. Schlussendlich gelang es uns, in die Wohnung zu gehen und fanden sie im Gang am Boden liegen. 12 Stunden hatte sie dort nach einem Sturz ausgeharrt. Sie brach sich den Oberarm und musste ins Spital. Gott sei Dank ist nichts Schlimmeres passiert. Letzthin ging ich sie besuchen. Jetzt ist sie wieder total fit. Und das mit 99 Jahren. Bewundernswert ist das, nicht wahr?

 

Was bedeutet für dich das Hören?

Das ist eine wichtige Sache. Sich mit Leuten unterhalten können ist für mich sehr wichtig.

 

Bist du gerne in Gesellschaft oder hast du gerne deine Ruhe?

Ich habe beides gern. Ich gehe gern auf Leute zu und geniesse die Ruhe auf dem See. Da kann ich meinen Gedanken nachgehen und in der Natur sein.

 

Wenn du 3 Wörter hättest, um dich zu beschreiben, welche wären das? 

Ich würde sagen, dass ich ein angenehmer Typ bin, zuverlässig. Was ich verspreche, das halte ich auch. Und ich bin treu. Das ist ja auch ein Teil der Zuverlässigkeit.

 

Wo sind heute deine Interessen und Wünsche?

Gesund bleiben und aktiv bleiben können, das möchte ich. Und beim Sterben nicht lange leiden müssen, das wäre auch schön.

Du hast erzählt, dass du viele Geschichten und interessante Situationen erlebt hast. Bitte erzählt uns doch davon.

Ja, da gäbe es Geschichten über kleine und grosse Wunder.  Einmal war ich am Wandern mit meiner Tochter in England. Wir unternahmen eine Küstenwanderung. Für meine Steinsammlung daheim fand ich einen wunderschönen Schieferstein. Auf der Oberfläche war eine Delle.  Ich suchte einen anderen Stein, der die Lücke füllen könnte. Und weisst du was?  Ich habe einen zweiten Stein gefunden, der wunderbar da reinpasste, ganz perfekt war der. Und der lag entfernt vom ersten. Einer aus Millionen von Steinen, die dort herum liegen, hat bestens gepasst. Die gehörten zusammen – diese Steine; waren einmal ganz – waren einmal ein einzelner Stein. Welch ein Glück ich da hatte. So nahm ich etwas Sand von der Küste und habe zu Hause alles schön mit einer Kerze arrangiert. Das sehe ich als kleines Wunder an.

 

Magst du eine Geschichte erzählen über ein grosses Wunder? 

Das ist eine persönliche Geschichte. Vor Jahren begleitete ich meine Frau ins Aquafit. Dort begegneten wir einer Frau und kamen in Kontakt.  Sie war verheiratet. Sie gefiel mir und ich spürte, dass dies gegenseitig war. Aber klar. Auch ich war verheiratet und Treue ist mir wichtig. Ich sah die Frau dann 15 Jahre nicht mehr, dachte aber ab und zu an sie. Im letzten Herbst fuhr ich Otto, einen Kollegen, zu einem Spezialisten nach Luzern. Sie wohnte in der Nähe. Ich überlegte, ob ich sie während der Wartezeit spontan besuchen solle - und liess es dann sein. Otto überredete mich, doch im Anschluss an den Arztbesuch noch etwas trinken zu gehen. Eigentlich wollte ich nur nach Hause fahren, aber Otto bestand auf seiner Idee. Und was geschah? Diese Frau betrat das Café. Ich erkannte sie sofort, ging auf sie zu. Und sie freute sich, mich zu sehen. Noch immer war diese Sympathie da. Wir sahen uns wieder. Sie ist ebenfalls sehr aktiv, wandert und fährt gerne Velo. Und so sind wir gut befreundet miteinander. Das Zusammentreffen ist für mich wie ein Wunder. 

 

Diese Zufälle sind schon verblüffend.

Ja, das ist die Frage. Man kann es Zufall oder Schicksal nennen. Was es wirklich ist, werden wir nie erfahren. Aber dieses Wunder ist für mich unglaublich schön.

 

Feinfühlig und mit Blick für schöne Dinge

Bevor Richard seine Geschichte erzählt, ist es ihm wichtig, die schwersten Schicksalsschläge seines Lebens zu Beginn zu erzählen. Der Verlust der beiden Menschen, seiner Frau und seiner Tochter, bewegen ihn tief. Richard ist feinfühlig und dadurch achtsam. So erstaunt es nicht, dass Richard einen Stein findet und sieht, dass da etwas fehlt. Und seine Suche ist erfolgreich. Er findet genau den passenden Stein und ist darüber erstaunt, glücklich und dankbar. Es sind die leisen und kleinen Wunder, die Richard bewegen. Es ist der See und die Ruhe, die ihm Kraft verleihen, aufs Neue auf Menschen zuzugehen und sich in grosse Wunder zu begeben. Dazu wünsche ich Richard einfach viel Gutes und Liebes.