Daniel und Jeannette Mielsch

Interview von Ruth von Matt mit Jeannette Mielsch vom 25.01.2020

 

Daniel und Jeannette, ihr beide habt eine Hörbeeinträchtigung. Erzählt uns doch bitte, wie ihr als Paar damit umgeht und wie dies eure Beziehung beeinflusst.

Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Daniel: Das war beim Kegeln im Forum Junger Hörbehinderter Kontaktrunde. Die veranstalten Anlässe, wo sich Hörbehinderte treffen können.

Jeannette: Ich war da schon einmal gewesen und es hat mir nicht so gut gefallen. Als mir der Teamleiter erzählte, dass neue Leute dazu kämen, gab ich dem Treffen eine 2. Chance. Und tatsächlich. Da standen 3 junge Männer, und Daniel interessierte mich. Ich fühlte mich zu ihm hingezogen und gab ihm nach dem Treffen meine Adresse und Telefonnummer. Und ich rief ihn auch für ein weiteres Kennen Lernen an. 

Daniel: Ich weiss es noch genau. Wir fuhren nach Schwarzenberg und weil es Montag war, hatten viele Restaurants und Cafés zu. Ganz zuhinterst fanden wir dann ein Restaurant und konnten uns gut unterhalten. 

Jeannette: Erst später erfuhr ich, weshalb Daniel so zurückhaltend war. Da die Scheidung von seiner ersten Frau noch nicht abgeschlossen war, fühlte er sich nicht frei, eine neue Beziehung zu beginnen.

Daniel: Ja, du hättest mich gern sofort in den Armen gehalten, gell?

Jeannette: Ja, da mussten wir uns in Geduld üben. Aber eines Tages besuchte mich Daniel mit einer Flasche Champagner, um den Abschluss seiner Scheidung mit mir zu feiern. Von da an waren wir zusammen.

 

Was schätzt ihr aneinander?

Jeannette: Daniel ist ruhig und gelassen. Er passt zu mir. Ich bin eher quirlig und kann mich über Dinge aufregen. Da gelingt es Daniel gut, mich zu beruhigen und mich zu erden.

Daniel: Jeannette ist aufgestellt und sie kann mich faulen Kerl oft zu Unternehmungen motivieren. Sie holt mich aus dem Trott raus, - und Jeannette ist eine gute Köchin. Das Kochen überlass ich ihr und helfe ihr beim Aufräumen in der Küche.

 

Was hält euch zusammen?

Jeannette: Wir lassen einander gewisse Freiheiten. Daniel ist gern mit den Kollegen auf Jagd und ich treffe mich mit Kolleginnen zum Kaffee. Das ist uns wichtig. Es sind wie Inseln, wo wir unsere eigenen Bedürfnisse leben können. Und dann haben wir unsere gemeinsamen Aktivitäten. 

 

Was unternehmt ihr zusammen?

Daniel: Nun, da Noemi, unsere Tochter, nicht mehr zu Hause wohnt, haben wir noch mehr Zeit für uns. Wir gehen gern mit einem Kollegenpaar gut essen oder treffen uns mit 14 hörbehinderten Leuten zum Töggeliabend. Diese Abende existieren schon lange. Mittlerweile ist das spielen etwas in den Hintergrund getreten. Da wird geredet und gelacht.

Jeannette: Wir fahren auch gern Velo und wandern sehr gern. Das tut uns gut.

 

Hat eure Höreinschränkung eure Beziehung beeinflusst? Und wenn ja, wie macht sich das bemerkbar?

Jeannette: Wir schauen einander immer an, wenn wir sprechen. Wir erhalten so viel mehr Informationen, wie es dem andern geht. Ich achte auch auf die Stimme von Daniel. So erkenne ich sofort, wenn etwas nicht stimmt. Erst später frage ich dann, was los ist. Wir sitzen dann zusammen und besprechen, was der Grund für die Verstimmung war. Da lass ich nicht locker. Wenn etwas nicht geklärt ist, belastet mich das.

Wie bei vielen Paaren hatten auch wir schwierigere Zeiten. Das hatte, im Nachhinein gesehen, viel mit dem Elternsein zu tun. Die Doppel- und Dreifachbelastung mit Familie, Arbeit und Haushalt ist nun etwas kleiner geworden.

Daniel: Ich denke, dass wir es nun lockerer angehen können und uns noch nähergekommen sind.

 

Wie streitet ihr?

Jeannette: Ich kann heftig werden und Daniel bleibt cool und locker. 

Daniel: Ich lasse Jeannette dann in Ruhe. Wenn sie sich etwas beruhigt hat, reden wir drüber und setzten uns mit der Situation auseinander.

Jeannette: Ich sehe Daniel an, wenn etwas nicht stimmt. Seine Ohren sind dann rot.

Daniel: Und ich merk es, wenn du mich nicht mehr ansiehst, dass etwas nicht stimmt. Wenn du Distanz hältst, ist es nicht gut.

 

Wie versöhnt ihr euch?

Daniel und Jeannette: Wir sprechen uns aus bis alles wieder gut ist. Und wir umarmen uns.

 

Was ist euch wichtig in eurer Beziehung?

Jeannette: Mir scheint wichtig, dass wir gut kommunizieren und unsere Bedürfnisse auch kundtun. Gelassenheit ist sehr hilfreich, das habe ich gelernt. Wir feiern im September unseren 20. Hochzeitstag. Wie wir das feiern, ist noch offen. 

Daniel: Ich denke, dass Humor viel erleichtert. Und ich wünsche mir, dass wir es weiterhin so gut zusammen haben, dass wir reden können und einander verstehen.

 

Habt ihr Tipps für eine gute Partnerschaft?

Jeannette: Da gibt es keine Rezepte. Einander so akzeptieren, wie man ist und tolerant sein sind sicher gute Grundlagen für eine Beziehung.

Daniel: Es ist ein Nehmen und Geben. Wenn einer nur fordert, dann kommt es nicht gut. 

 

Welches Kompliment möchtet ihr dem andern noch mitteilen?

Jeannette: Es ist schön, Daniel, dass es dich gibt, dass ich dich gefunden habe. Du bist geduldig und hilfsbereit. Das tut mir gut.

Daniel: Wir sind zusammengewachsen und haben es gut miteinander. Ich freue mich auf den nächsten Lebensabschnitt mit dir.