Berta Kronenberg

Geb. 21.05.1942
1 Sohn, 2 Töchter, 5 Grosskinder
Schulen in Beromünster
Ausbildung: Postlehre

pensioniert

Interview von Ruth von Matt mit Berta Kronenberg vom 1. Oktober 2019

 

Berta, erzähl uns doch bitte von deinem Leben und wie das Hören und Nicht-Gut-Hören darin vorkommen.

Ja. Wo soll ich mit meiner Erzählung beginnen? Aufgewachsen bin ich in Beromünster. Ich war im Samariterverein tätig und absolvierte nach einem Haushaltslehrjahr im Welschland eine Postlehre. Ich heiratete früh und habe 3 Kinder. Als wir nach Sursee zügelten, war ich auch da im Samariterverein tätig. Vorerst als Nothelferlehrerin und dann als Samariterlehrerin. Das hat mir dort sehr gut gefallen. Wir haben viel gemacht, waren engagiert und waren ein guter Verein mit einem guten Vorstand. Ich habe das einige Jahre ausgeübt. Dann wechselte ich zum Verein Pro Audito. Ich habe einfach wieder etwas machen müssen. Ja, das ist so im Grossen und Ganzen mein Werdegang. 

 

Berta, wann und wie hast du bemerkt, dass sich dein Hörvermögen verändert hat?

Im Samariterverein, als ich Nothelferkurse gab, bemerkte ich, dass ich nicht gut verstand, wenn jemand hinter mir gesprochen hat. Als es schlimmer wurde, kaufte ich mein erstes Hörgerät, ein Im-Ohr-Gerät. Da war ich noch relativ jung. Das ist sicher schon mehr als 20 Jahr her. In der Nähe des Klosters war eine Hörberatung. Da erhielt ich die damaligen Hörgeräte als Anschauungsmaterial, damit ich im Samariterverein zum Thema Hören eine Kurseinheit gestalten konnte. So konnte ich die Leute informieren, dass man etwas tun kann. Das war mir wichtig. Ich weiss nicht mehr, wann ich die zweiten Hörgeräte erhielt. Das waren dann Hinter-dem Ohr-Geräte.

 

Konntest du einen Unterschied ausmachen zwischen den Im-Ohr-Gerät und den Hinter-dem-Ohr-Gerät?

Ich verstehe besser mit dem Hinter-dem-Ohr-Gerät. Aber das hat wohl einen Zusammenhang mit dem Grad der Hörverminderung.

Aktuell bin ich mit meinen Hörgeräten nicht so zufrieden. Ich habe sie schon ungefähr 6-7 Jahre und es wäre an der Zeit, auszuprobieren, ob ich mit neuen, angepassten Hörgeräten besser hören könnte. 

 

Was bedeutet für dich das Hören?

Sehr viel. Wenn es Nebengeräusche hat oder es Leute gibt, die hinter mir reden, werde ich manchmal ungeduldig und es nervt mich.

 

Was tust du dann?

Ich nehme die Hörgeräte raus und bin mir bewusst, dass ich dann noch weniger höre. Oder ich probiere aus, was für mich besser ist, mit oder ohne Geräte. 

 

Hast du Strategien entwickelt, um besser hören und verstehen zu können?

Ich schaue auf die Lippen. Dazu muss man sich aber gegenübersitzen. Im Kreis ist das schwieriger. In einer grösseren Runde konzentriere ich mich auf eine oder zwei Personen, denen ich ins Gesicht sehen kann. Auch beim Fernsehschauen lese ich von den Lippen. 

 

Wie lange bist du im Verein Pro Audito. 

Ich bin seit ungefähr 15 Jahren im Verein und 13 davon im Vorstand. Ich kam zusammen mit Klaus Rölli in den Vorstand. 

 

Was ist dir dabei wichtig?

Mir ist wichtig, dass wir im Verein etwas tun, damit es Menschen mit Hörbehinderungen besser geht. Wir wollen diesen Personen zeigen, dass man etwas tun kann. Mit den Hörtrainings-Kursen bieten wir eine gute Unterstützung an.

 

Welche Tipps hast du für Menschen, die eine Hörverminderung bemerken?

Leute, die bemerken, dass sie nicht mehr gut hören, sollten abklären, welches die Gründe sind. Und ich wünsche mir für sie, dass sie sich nicht zurückziehen. Sie sollen aktiv werden und aktiv bleiben. Sie haben es in der Hand, dass sie teilnehmen können am Leben und am Leben ihrer Mitmenschen. 

 

Du hast erzählt, dass du nach dem Samariterverein wieder etwas tun wolltest, aktiv sein wolltest. Hat deine Hörverminderung dich «als Macherin» verändert?

Das habe ich mir noch nie überlegt. Ich war immer eine aktive Person, ich organisierte gerne Klassenzusammenkünfte oder Ähnliches. «Ja, die Berta macht das», sagten die Kollegen und Kolleginnen. Ich ziehe mich wegen dem Nicht-Gut-Hören nicht zurück. Schon in der Schule war das Planen meine Stärke. Ich musste immer etwas zum Organisieren und Tun haben. Ich war gern für etwas verantwortlich. Ich konnte immer das tun, was ich machen wollte. Es ging vielleicht nicht immer einfach, aber ich machte es.

 

Wenn du 3 Wörter hättest, um dich zu beschreiben, welche wären das? 

Aktiv, sozial engagiert, hilfsbereit.

 

Woher denkst du, kommen diese Eigenschaften?

Sie gründen wohl in meiner Jugend. Wir mussten uns immer wehren. Sehr früh musste ich für mich selber sorgen. Schon mit 15 Jahren musste ich alles selbst an die Hand nehmen. Ich wurde so selbstständig und ja, auch selbstbewusst.

 

Was beschäftigt dich im Moment?

Der Unfall, der vor gut einem halben Jahr passierte, hat mich sehr beeinträchtigt. Mein früherer Elan ist nicht mehr so stark spürbar. Meine Energie stösst an Grenzen. Es bereitet mir Mühe, anstehende Aufgaben zu erledigen. Das belastet mich und ist schwer, anzunehmen.

Meine Mutter hat mit 60 an der damals genannten «Arterienverkalkung» gelitten. Heute würde man dazu Alzheimer sagen. Im Hinterkopf habe ich oft den Gedanken: «Beginnt dies mit mir nun auch»? Obwohl ich mit meiner Vergesslichkeit nicht allein bin, ist es sehr schwer, sie anzunehmen. Dann kommt ab und zu der Gedanke: «Ich habe jetzt jahrelang dies und das gemacht, ich mag jetzt einfach nicht mehr». Ich kenne das nicht an mir, dass ich weniger Energie. Früher habe ich Texte und Berichte gern und schnell geschrieben. Zu merken, dass es nicht mehr so gut geht, das lähmt mich.

Ich denke, wenn es mir körperlich wieder besser ginge, dann käme der Elan auch wieder zurück.

 

Was macht dir Freude?

Meine Grosskinder, meine Familie – das ist meine Freude. Ich werde in Kürze sogar Urgrossmutter. Das freut mich sehr. Und ich gehe gern spazieren, soweit es noch geht. Ich bin gern mit Leuten zusammen, besuche Heimbewohner und unternehme etwas mit ihnen. Das schöne Wetter ist auch ein Aufsteller. Sonne und Wärme tun mir gut. 

 

Macherin

Berta ist keine Frau von grossen Worten. Sie ist eine Frau der Taten. Ihr Organisationstalent, ihre Kontaktfreude und ihr selbstverständliches Zupacken sind ihr Markenzeichen. «Berta macht das dann schon», sagen ihre Weggefährten. Und gerade das ist es, was Berta auch von sich selber erwartet. Nun, da Bertas grosses Engagement aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkt ist, bereitet ihr dies Schwierigkeiten. Sie möchte sich noch weiter mit vollem Elan für andere einsetzen. Ich wünsche Berta, dass sie es annehmen kann, wenn ihr Elan etwas abnimmt. Ich wünsche ihr, dass sie sich auch ohne uneigennützige Einsätze und bestens funktionierende Organisationen wertgeschätzt fühlt. Wert geschätzt einfach als Berta, als Mensch.