Irène von Arx

Geb. 30.01.1935

2 Töchter, 1 Sohn, 6 Grosskinder

Schulen in Fulenbach und Neuendorf, SO

Ausbildung: KV in Langenthal

pensioniert

Interview von Ruth von Matt mit Irène von Arx vom 24.06.2019

 

Irène, wann und wie hast du bemerkt, dass sich dein Hörvermögen verändert hat?

Mein Vater war schon schwerhörig. Und meine Schwester musste mit 50 Jahren die ersten Hörgeräte tragen. Mit 80 Jahren nun hört sie nichts mehr. Sie riet mir, sich dann ja rechtzeitig um Hörgeräte zu bemühen. Dies auch wegen der Leistungen der IV. Sie sind höher, wenn die Hörgeräte vor dem Eintritt ins Pensionsalter gebraucht werden. Das habe ich zu Herzen genommen. In unserer Familie ist Schwerhörigkeit vererbt. «I Gotts Name».

Als wir nach Sursee zügelten trat ich verschiedenen Vereinen bei. Ich wollte Menschen treffen und mich da heimisch fühlen. Und ich bemerkte, dass ich nicht mehr alles aufnehmen konnte. Hören konnte ich schon, aber verstehen nicht. 

Nach einem Vortrag über Homöopathie, an welchem ich nichts verstand und alle Kolleginnen ihn so rühmten, habe ich einen Arzt aufgesucht. Es wurde bei mir eine Höreinbusse von 30% festgestellt. Ich war da 57-jährig. Ich hatte Angst, wie meine Schwester taub zu werden. Mein damaliger Hörgeräteakustiker konnte mich beruhigen und meinte, das müsse überhaupt nicht so sein. Wichtig sei, dass man frühzeitig das Hören unterstütze und die Fähigkeit des Verstehens so erhalte.

Die ersten Hörgeräte waren In-Ohr Geräte. Als ich das erste Mal mit ihnen Auto fuhr, war ich überrascht, wir laut der Blinker war. Ich musste mir eingestehen, dass ich wohl noch schlechter gehört habe, als angenommen. 

Als das erste Hörgerät nicht mehr genügte, erhielt ich ein Hinter-Ohr Gerät. Mit dem war ich sehr zufrieden. Es gab mir kein Druckgefühl im Ohr. Und dann passierte es. Ich verlor an einem Familienfest ein Gerät. Ich habe es nicht mehr gefunden. Gut war, dass ich eine Versicherung abgeschlossen hatte, die der Hausratversicherung angeschlossen war. Nebst dem Selbstbehalt musste ich nichts zahlen. Ein leistungsstarkes Gerät kostet schnell um die Fr. 7‘000 - 8'000.-. Da lohnt sich eine Versicherung bestimmt.

Ich erhielt dann ein Gerät mit einer T Spule (Induktion). Und das war super. In der Kirche habe ich früher oft kaum etwas verstanden. Und mit dem neuen Apparat konnte ich per Knopfdruck das Induktionsprogramm wählen und hörte alles. Ich war so glücklich und bin es noch immer.

In der Zwischenzeit ist meine Höreinbusse auf 70% gesunken. Dank den Hörgeräten ist diese Einbusse nur noch 15%. Das ist schon eine tolle Sache.

 

Welche Tipps hast du für Menschen, die eine Hörverminderung bemerken?

Sie sollen möglichst früh einen Hörtest machen. Und ich denke, dass das Ohr immer wieder trainiert werden muss.

 

Was verstehst du darunter?

Auch wenn man allein ist, sollte man dem Ohr etwas zur Verarbeitung geben. Radio hören, Musik hören. Das scheint mir wichtig zu sein. Dass man dranbleibt und auch diesen Körperteil trainiert.

 

Was bedeutet für dich das Hören?

Ich bin gern unter Menschen und in Gesellschaft. Wenn ich nicht hören und nicht kommunizieren könnte, wäre ich unglücklich und könnte nicht mehr mich selber sein.  Ich nehme gern teil, habe Menschen gern und interessiere mich für sie. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es wäre, wenn ich dies nicht mehr tun könnte. 

 

Hat deine Hörverminderung dein Verhalten verändert?

Bevor ich die Hörgeräte hatte, kam es oft zu Situationen, wo ich Falsches verstanden habe und dann auch falsch reagiert habe. Oder ich habe in einem Gespräch etwas gesagt zu einem Thema und nicht bemerkt, dass die anderen das Thema schon gewechselt haben. Das führte oft zu peinlichen Momenten. 

Ich singe heute nicht mehr im Kirchenchor, sondern im Seniorenchor. Die Dirigentin wollte, dass ich von der 1. Stimme in die 2. Stimme wechsle. Da hatten sie zu dieser Zeit einen Stimmenmangel. Ich fühlte mich dort aber unsicher und war froh, als ich wieder zur gewohnten 1. Stimme wechseln konnte. Unser Chor ist mittlerweile 4 stimmig und mit 30 Mitgliedern unterwegs. Oft rühren mich die schönen Lieder und tun mir gut. «Von guten Mächten wunderbar geborgen» von Dietrich Bonhoefer und das TEBE POEM «Oh Herr gib Frieden» - diese Lieder sind für mich besonders ergreifend. Wir haben im Chor einen guten Zusammenhalt und ich kann da mein Kommunikationsbedürfnis ausleben. Das Singen ist für mich sehr wichtig und hilft mir auch über schwierige Zeiten hinweg.

So habe ich beispielsweise den Anlass «Singen mit Priska» des Vereins Pro Audito auch gut und lustig gefunden. Das sind so unbeschwerte Stunden, die gut tun.

Ich möchte noch von einer ganz anderen Seite des Nicht gut Hörens erzählen. Mein Mann schaut am Abend gerne fern. Mir sagt das nichts. Wenn mich das Programm nicht interessiert, nehme ich einfach die Hörgeräte raus und lese. Da bin ich weg in meiner Buchgeschichte, und mein Mann sieht sein Fernsehprogramm. Am Abend lese ich gern leichtere Bücher oder Biographien. Am Tag dann können es auch Bücher mit geschichtlichem Hintergrund sein. Das interessiert mich schon.

 

So gesehen kann das Nicht-gut-Hören auch ein Vorteil sein? Gibt es noch andere Vorteile?

Ja, das gibt es. In der Nacht sind eventuelle Lärmquellen nicht störend.

 

Was sind deine Erfahrungen mit Pro Audito?

Seit circa 15 Jahren bin ich im Verein Pro Audito. Berta hat mich mal überredet, doch einfach mal an einem Anlass mitzukommen. Wir haben das Kloster St. Urban besichtigt und bei Agnes und Toni in Pfaffnau ein Zobig gegessen. Ich habe mich da sofort wohl gefühlt. Ich bin dann Mitglied des Vereins geworden. Da ich auch anderweitig engagiert bin und die Zeit mit den Angehörigen wichtig ist, habe ich die Vorstandsarbeit ausschlagen müssen. Ich bin aber immer gern bereit mitzuhelfen, sei es beim Lotto oder anderen Gelegenheiten. Vor allem schätze ich die verschiedenen, wertvollen Anlässe. 

Die Präsidentin führt den Verein professionell und ich bin gespannt, welche neuen Ausflüge und Aktivtäten angeboten werden.

 

Wo sind heute deine Interessen und Wünsche?

Die Natur ist heute meine Leidenschaft. Ich liebe Pflanzen und kenne viele beim Namen. Das interessiert mich. Ich sammle gern Kräuter im Freien oder pflücke sie von meinem Garten und bereite mir einen aromatischen Tee zu. Heute, mit den altersbedingten Einschränkungen, ist der Wald der Haselwarte in Sursee zu meinem Lieblingsplatz geworden.

 

Wenn du 3 Wörter hättest, um dich zu beschreiben, welche wären das? 

Fröhlich, lebendig, kommunikativ.

 

Kommunikationstalent

Irène von Arx erzählt sprudelnd und mit Witz. Ihre Dankbarkeit, dass die Hörgeräte ihr die Kommunikation weiter ermöglichen, ist klar spürbar. Sie scheint mit ihnen prima zurecht zu kommen. 

Für Irène bedeuten Menschen und spontane Begegnungen Heimat. Auf Leute zugehen, sich mit ihnen austauschen, ist für Irène lebensnotwendig. Kommunikation ist ein grosser Teil ihres Wesens. Mit Charme und Schalk gelingt es ihr, Freude und Leichtigkeit zu verbreiten. Ich denke, dass dieser Austausch für sie eine innere Zufriedenheit mit sich bringt und sie in ihrem Tun bestätigt.